WIRBELSÄULENALTERUNG

Der Alterungsprozeß der Wirbelsäule

Die Alterung oder der Verschleiß der Wirbelsäule hat beginnt normalerweise im Bereich der Bandscheiben, meistens irgendwann vor dem 40. Lebensjahr. Der Wassergehalt des Gallertkernes der Bandscheibe wird langsam immer geringer. Dieser Prozess, der bei jedem Menschen in unterschiedlicher Ausprägung und Geschwindigkeit verläuft, führt dazu, dass der hydrostatische Druck der Bandscheibe und die hieraus sich ergebende Fähigkeit, der Schwerkraft entgegenzuwirken, allmählich schwächer wird.

Aufgrund des Druckverlustes im Bandscheibenfach können die benachbarten Wirbelkörper nicht mehr auf Distanz gehalten werden, sie nähern sich vielmehr aneinander an.

Dieser Höhenverlust des Bewegungssegmentes hat vielfältige Folgen:

  • die zwischen den Wirbelbögen gelegenen gelben Bänder schieben sich zusammen, sie werden also dicker und engen auf diese Weise den Rückenmarkskanal ein.
  • die Wirbelbogengelenke werden unphysiologisch hoch belastet. Es droht eine vorzeitige Abnutzung der knorpeligen Gelenkflächen, also ein Verschleiß, der auch als Spondylarthrose bezeichnet wird. Der Körper wehrt sich gegen diese erhöhte Belastung mit dem Anbau von Knochenwülsten an den Gelenkflächen, um den Druck auf eine größere Fläche zu verteilen. Auch diese Knochenwülste können den Rückenmarkskanal einengen und Schmerzen verursachen.
  • auch für die vorne gelegenen Anteile des Bewegungssegmentes ändern sich die Verhältnisse, weil die Wirbelkörper durch den Höhenverlust der Bandscheibe in einer leichten Drehbewegung aufeinander zukippen. Im Bereich der Hals- und Lendenwirbelsäule flacht sich dadurch das natürliche seitliche Profil ab. Die dadurch entstehende Fehlbelastung führt – ähnlich wie bei den Wirbelbogengelenken – auch an den Wirbelkörpern zur Ausbildung von knöchernen Randwülsten. Man bezeichnet diese Veränderung als Spondylose. Die knöchernen Randwülste können nicht nur den Wirbelkanal, sondern auch die Nervenwurzelaustrittslöcher einengen und zu entsprechenden Beschwerden führen.

Unter einer Osteochondrose versteht man in diesem Zusammenhang die Kombination einer Alterung des Bandscheibenknorpels (griechisch: Chondron = Knorpel) mit einer Degeneration des Wirbelkörpers (griechisch: Osteon = Knochen). Die Osteochondrose ist die Spätfolge eines Verschleißprozesses, der in der Bandscheibe beginnt. Im Zuge dieses Verschleißprozesses verringert sich zunehmend der Abstand zwischen den beiden benachbarten Wirbeln. Diese Veränderungen können einerseits zu einer pathologischen Überbeweglichkeit (siehe Kapitel Instabilität) führen und andererseits – zunächst schmerzbedingt – zu einer Einschränkung der Beweglichkeit, die sich im Spätstadium spontan knöchern fixieren kann.

Instabilitäten
Unter „Instabilitäten“ werden alle diejenigen Zustände verstanden, die dadurch gekennzeichnet sind, dass zwei benachbarte Wirbel sich nicht mehr physiologisch miteinander bewegen und sich dementsprechend nicht mehr in einem stabilen Zustand befinden.

Bei einer Instabilität ist der Bewegungsumfang des Segmentes pathologisch vergrößert und die neuromuskuläre Steuerung gestört. Eine der wesentlichen Ursachen der Instabilität ist die Alterung der Bandscheibe.

Die Instabilität führt im Laufe der Zeit zu Fehlbelastungen der beteiligten Strukturen. Dadurch kann es zu weiteren pathologischen Veränderungen wie Arthrose der Wirbelbogengelenke oder Wirbelgleiten kommen. Ein Wirbelsegment bleibt solange instabil, bis es der Körper selbst innerhalb eines gewissen Zeitraumes, z.B. unterstützt durch gezielte Physiotherapie, stabilisiert oder bis es der Arzt, bei Versagen von konservativen Therapiemaßnahmen, in einen stabilen Zustand bringt.

Liegt eine bandscheibenbedingte Instabilität vor, die noch nicht zu degenerativen Veränderungen an den beteiligten Wirbel geführt hat, versuchen wir in jedem Fall eine bewegungserhaltende dynamische Stabilisierung mit einer künstlichen Bandscheibe (Arthroplastie) vorzunehmen.

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