WIE WIRD THERAPIERT?
Schritt 1 – sorgfältige Diagnostik
Unser oberster Grundsatz ist es, nur Veränderungen zu behandeln / zu operieren, die auch tatsächlich Beschwerden machen. Das ist durchaus erwähnenswert, denn allzu häufig finden sich beim älteren Patienten eine Vielzahl der beschriebenen Veränderungen im Röntgenbild. Dadurch kann für Arzt und Patient der Eindruck entstehen, dass hier „nichts mehr zu machen“ sei.
Unsere Erfahrung in der Galenus Klinik hat allerdings gezeigt, dass meist nur eine oder wenige Veränderungen für die Beschwerden verantwortlich sind. Diese gilt es herauszufinden und zu behandeln. Voraussetzung hierfür ist eine sorgfältige, unter Umständen aufwändige und auch stationär durchzuführende Funktions-Diagnostik mit speziellen Untersuchungsmethoden, die die für die Beschwerden verantwortliche Stelle aufzeigt. Hier ist der erfahrene Wirbelsäulenspezialist gefragt.
Schritt 2 – Operationsplanung
Wichtig für die operative Planung ist der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten. Insbesondere beim älteren Menschen nimmt die Knochensubstanz ab. Medizinisch spricht man von einer Osteoporose. Dabei nimmt die aus Bälkchen bestehende Knochensubstanz, die so genannte Spongiosa, im Inneren des Wirbelkörpers ab. Im Gegenzug dazu verhärten sich die Randstrukturen der Wirbel so, dass sie an Elastizität verlieren. Beides muss bei der operativen Behandlung berücksichtigt werden.
Je älter der Patient ist, desto größer ist auch das Risiko, dass er z.B. an allgemeinen Blutgefäßerkrankungen und / oder Übergewicht leidet. Beides sind Umstände, die für das operative Vorgehen eine Rolle spielen. Nicht zu letzt hat auch die Kooperationsbereitschaft des Patienten großen Anteil am nachhaltigen Erfolg der Operation.
Entscheidend für die möglichst schnelle Mobilisierung des Patienten nach der Operation ist zum einem die Auswahl eines schonenden operativen Zuganges. In der Galenus Klinik setzen wir daher sowohl bei den Operationen von vorne, als auch bei den Operationen von hinten mikrochirurgische Verfahren ein, um den zugangsbedingten Schaden an der Muskulatur so gering wie möglich zu halten. Die zweite Voraussetzung für eine schnelle Mobilisierung ist eine solide und dauerhafte Verankerung der Implantate.
Welche Op-Verfahren kommt für den älteren Menschen in Frage?
Prinzipiell kommen auch für ältere Menschen die gleichen Operations-Methoden in Frage, die auch beim jüngeren Menschen angewendet werden.
Solange beispielsweise die allgemeinen Voraussetzungen für den Einsatz einer künstlichen Bandscheibe erfüllt sind, kann diese auch beim älteren Menschen eingebaut werden.
Zu diesen allgemeinen Voraussetzungen zählen insbesondere eine ausreichende Knochendichte und ein geringer Ausprägungsgrad an degenerativen Veränderungen.
Der Nutzen der künstlichen Bandscheibe ist für den Patienten sehr groß, denn er kann nach dem Eingriff schnell wieder in seinem normalen und gewohnten Alltagsrhythmus zurückkehren.
Je stärker jedoch der Verschleiß ist und je weiter die dadurch bedingten degenerativen Veränderungen vorangeschritten sind, beispielsweise in Form eines Wirbelgleitens, einer Skoliose oder eine Instabilität, desto eher wird man eine Stabilisierungsoperation ins Auge fassen müssen.
Bei einer solchen Stabilisierungsoperation wird die Fehlstellung dadurch korrigiert, indem man in die betroffenen Wirbelkörper von hinten Schrauben eingebringt, die mit Stäben untereinander verbunden werden.
Um ein Ausreißen oder Auswandern der Schrauben aus einem osteoporotischen Wirbelkörper zu verhindern, wenden wir eine spezielle Technik an, bei der der osteoporotische Wirbelkörper zur Stabilisierung zunächst mit Knochenzement aufgefüllt wird. Anschließend werden die Schrauben in den noch weichen Knochenzement eingedreht. Nach Aushärtung des Segmentes sind die Schrauben fest eingedübelt und halten damit auch langfristig alle Alltagsbelastungen aus. Die betroffenen Bandscheibenfächer werden in einer Folgeoperation von vorne durch Platzhalter (Cages) ersetzt, sodass unmittelbar postoperativ eine Stabilität vorhanden ist. Diese Verbindung ist so stabil, dass der Patient nach der Operation nicht ans Bett gefesselt ist, sondern schon am Folgetag wieder aufstehen kann.
Im Gegensatz zu skeptischen Vorurteilen sind nach unserer Erfahrung auch aufwändige Wirbelsäulenoperationen beim älteren Patienten nicht nur machbar, sie können ihm auch ein längst verloren geglaubtes Stück Lebensqualität zurückzugeben.





